Die Bahnsteigüberdachung

Unser großer Bahnhof hat eine Gesamtlänge von 9,20m; der Hausbahnsteig und die zwei Bahnsteige mit einer Länge von je ca.5m liegen in einem weit gezogenem Radius. Bei diesen Vorgaben wird schnell klar, das die üblichen, im Fachhandel zu kaufenden Überdachungen, nicht passen. Und auch von der Optik entsprechen sind sie nicht unbedingt dem was wir uns vorgestellt haben.

Also wird die komplette Überdachung aus Messingätzteilen und Messingprofilen selbst gebaut!

1. Das Vorbild
Als erstes haben wir uns dafür ein Vorbild ausgesucht das noch etwa aus der Epoche III stammt. Fündig geworden sind wir auf dem Bahnhof Mayen, später stellte sich heraus, dass die gleichen Dächer auch in Köln-Porz oder Linz am Rhein verbaut worden sind. Wahrscheinlich ist es eine Standardkonstruktion die auf vielen Bahnsteigen anzutreffen ist. Einige unserer Mitglieder haben Fotos gemacht und, vor allem die Pfeiler so weit wie möglich vermessen. Vom Laser-Distanzgerät über den Zollstock bis zur Schieblehre sind alle Messgeräte dabei...


Originalpfeiler (Anklicken zum vergrößern)


Detail (Anklicken zum vergrößern)


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2. Übertragen ins Modell
Auf Basis der Fotos und den Maßen wurden die Pfeiler und das Geländer nun in einem CAD Programm nachgezeichnet. Die Abkürzung CAD steht für Computer-Aided-Design, also Computer-Unterstützter-Entwurf. Dabei wurde zwar viel Wert auf Detailtreue und Genauigkeit gelegt, aber doch nicht bis zum "Nieten zählen" gegangen. Zum einen müssen wir ja die Breite der Pfeiler an unsere Bahnsteige anpassen und zum anderen können wir mit unseren Mitteln die Teile gar nicht so genau herstellen, das man nachher noch alles sehen (und zählen) könnte. Immer wieder werden Probeausdrucke gemacht, besprochen, verglichen, verändert und verbessert. Sogar ein einfaches "ausschneiden und auf den Bahnsteig halten" hilft bei den Entscheidungen. Schließlich sind alle Teile gezeichnet, stimmen und können auf die Größe einer Messingplatte (200 x 100 mm) angeordnet werden. Von den Ausdrucken lassen wir dann in einer Druckerei ein Film für die Belichtung der Messingplatten hergestellt.


Filmvorlage Vorderseite
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Filmvorlage Rückseite
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Filmvorlage Geländer
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3. Die ersten Ergebnisse
Die ersten Messingteile sind geätzt, gelötet und gereinigt. Auch das Geländer für den Abgang der Bahnsteigunterführung ist schon ausgeätzt. Die weiteren Pfeiler werden fast schon in Massenproduktion erstellt, für den gesamten Bahnhof benötigen wir ja ca. 40 Stück. Und alle müssen aus einer Unmenge von Kleinteilen zusammengelötet, geklebt, gereinigt und lackiert werden. Das Arbeitsmaterial besteht dabei vor allem natürlich aus einem kleinem Lötbrenner, Lötzinn, Flussmittel und jede Mengen Klemmpinzetten. Mit dem Lötbrenner und etwas Lötzinn werden die Teile an einigen Punkten aneinander geheftet. Dann wird die gesamte zu lötenden Verbindung mit ein wenig  Flussmittel eingestrichen. Nun werden die Punkte wieder mit dem Lötbrenner heiß gemacht, das Lötzinn läuft wunderbar dünn an dem Flussmittel entlang und verbindet die Messingteile miteinander. Dabei darf der Lötbrenner aber nicht all zu lange auf eine Stelle gehalten werden. Das dünne Messingblech glüht sehr schnell aus, ist dann instabil und verliert seine Form.


Ausgeätzte Messingplatte
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Löten...
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Nieten zählen ;-)
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4. Einbau in den Bahnsteig
Als erstes stellt sich die Frage wie die Pfeiler überhaupt auf dem Bahnsteig befestigt werden sollen? Kleben, oder vielleicht einen kleinen Sockel aus Resin gießen? Die Lösung ist aber viel einfacher. Bei dieser Konstruktion von Dach ist die Regenrinne ja in der Mitte. Also bekommt jeder zweite Pfeiler ein Fallrohr (siehe auch oben bei Vorbild), mit dem sie dann in ein Loch auf dem Bahnsteig gesteckt werden. Übrigens wird das wirklich ein Rohr sein, wir tragen uns mit dem Gedanken unter das Dach noch eine Beleuchtung einzubauen. Falls es dazu kommt, können dort später die Kabel durchgezogen werden. Wenn die Pfeiler an ihrer Position stehen und ausgerichtet sind, werden sie mit drei Vierkantstäben aus Messing miteinander verlötet. Darauf wird dann später das eigentliche Dach gefestigt. Das ganze wird auch noch auf den Radius der Bahnsteige angepasst und ergibt schon eine sehr stabile Konstruktion.
Für das Gelände an den Abgängen werden kleine 0.5mm Löcher gebohrt. Die Zapfen zur Befestigung waren schon in den Zeichnungen berücksichtigt worden. Später wird das ganze dann einfach verleimt.


Blick von der Seite
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Blick von vorne
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Die Bahnsteigunterführung
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5. Das Dach
Nun muß noch das Dach auf die Messingstäben. Hierbei sind wir "fremd gegangen". Die Basis vom Dach sollte aus Holz bestehen, sehr dünn aber dennoch sehr stabil. Das passende Holz haben wir im Flugzeug-Modellbau gefunden. Die einzelnen Elemente der Messingkonstruktion werden verkehrt herum auf das Holz gelegt, angezeichnet und ausgesägt. Ein wenig schleifen und schon passt alles. Die Dachpappe soll aus Schmirgelpapier feiner Körnung dargestellt werden. Dazu wird sie in dünne Streifen gerissen und mit der rauen Seite nach oben das Holz aufgeklebt. Nach einigen Feldern der Bahnsteigüberdachung ist allerdings klar, das dies nicht wirklich die Lösung ist. Das ganze sieht viel zu grob aus. Nach einige Versuche mit allen möglichen Materialien sind wir zu folgender Lösung gekommen: dünnes Packpapier wird mit Airbrush grau lackiert und dann die "Schweißnähte" der Dachpappe mit einem CAD Programm und einem Laserdrucker aufgedruckt. Die graue Farbe stammt von Weinert und hat von Natur aus eine ungleichmäßige, leicht schimmernde Oberfläche. Und durch den Laserdrucker werden dann auch noch Linien von 0,1 mm Stärke möglich.


Die ersten Dachteile
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Ein Modulübergang
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Airbrush am Dach
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